Die Harzwellen Flieger - Ein Bericht von unserem Mitglied Tobias Uhlrich

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So richtig habe ich von der Ostwelle im Harz und im Rheintal erst am 22. Februar diesen Jahres gehört.
Klar, mit der richtigen Schichtung und der richtigen Windrichtung und –stärke müssten die Mittelgebirge natürlich auch statt bei den bekannten West- und Südwestwetterlagen auch bei Ostwind die Atmosphäre zum Schwingen bringen können, aber so wirklich auf dem Schirm hatte ich das die letzten Jahre nicht. Nun habe ich also an den Tagen vor dem 22. Februar die Ankündigungen der Mittelgebirgswellenexperten, vor allem im Rheintal, gelesen und mir im Nachgang einige Flüge im OLC angeschaut und mich bereits ein wenig geärgert, dass wir diese Wetterlage dieses Jahr verpasst hatten. Das Minor bzw. Major Warming in der Arktis kommt tatsächlich nur alle paar Jahre mal vor und hatte den Wintereinbruch über mehrere Tage Ende Februar zur Folge. Sind wir mal ehrlich, danach hatten wir uns eigentlich alle auf den Frühlingsbeginn eingestellt. Nun aber genug der Einleitung. Denn es sollte nicht die einzige Ostwetterlage in diesem Frühjahr bleiben und vielleicht bekamen wir doch noch mal die Chance, vor dem richtigen Beginn der Thermiksaison in Deutschland mit unserem neuen Flugzeug noch mal Welle zu fliegen.

Die ersten zaghaften Hoffnungen habe ich mir ab Mittwoch, den 14. März gemacht. Die Windvorhersage für das Wochenende 17./18. März schien ganz brauchbar, es musste am Samstag lediglich noch eine Front von Nordosten nach Südwesten durch, hinter der es dann gut aussah. Also habe ich mit Julian konferiert und schnell festgestellt, dass er mindestens genau so verrückt ist wie ich (wer würde schon freiwillig bei diesen vorhergesagten Temperaturen fliegen wollen?!). Die Feuchte am Samstag hat dann auch in den kommenden Tagen relativ eindeutig dazu geführt, dass wir das Rheintal als Ziel für uns ausgeschlossen haben. Wir hatten wenig Lust am Sonntagmorgen möglicherweise noch unter einer feuchten Grundschicht in Weinheim am Boden stehen zu müssen und uns vom fallenden Schnee einen Strich durch die Rechnung machen zu lassen. Also haben wir den Routenplaner von Google Maps angeschmissen und mit ein wenig Erstaunen festgestellt, dass es bis zum Harz nur 10 Km mehr zu fahren ist, 319 um genau zu sein. Schnell noch ein paar Temps für Clausthal-Zellerfeld angeschaut (die folgenden Bilder) und zur Bestätigung meiner Vermutung Kontakt mit Matthias Picht aufgenommen, der in Aue/Hattorf fliegt und als Harzwellen Flieger schon häufiger über Wellen am Harz Berichte veröffentlicht hat.

Die Schichtung am Harz schien nach Durchzug der Front tatsächlich vielversprechend zu sein, lediglich die Möglichkeit von Thermik ab Sonntagmittag bereitete mir etwas Kopfzerbrechen. Aber: Wenn wir es nicht ausprobieren würden, würden wir es nie wissen.

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Freitagabend haben wir dann die Entscheidung getroffen: Wir fahren an den Harz und schauen mal, was da so geht. Die Vertikalprofile und die RASP Vorhersagen sind die Tage vor dem Wochenende sehr stabil geblieben und haben eindeutig Wellen bis ca. 3.000 Meter Höhe vorhergesagt. Viel höher wäre für uns sowieso nicht nutzbar gewesen, da unser Flugzeug schon auf den Sommer ohne entsprechendes Sauerstoffsystem vorbereitet war.

Am Samstagnachmittag haben wir dann unseren Anhänger an den Haken genommen und uns auf die ca. 4 stündige Autofahrt nach Aue gemacht.

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Wir sind um 20 Uhr am Flugplatz angekommen und haben am Abend noch ein super Briefing von Matthias zu den vorhergesagten Steiggebieten der Welle am nächsten Tag bekommen. Wie sich später herausstellte, ist fast alles so eingetreten, wie er es vorhergesagt hatte!  Der eisige Ostwind fegte noch durch die Gassen von Herzberg, als wir am Samstagabend ins Bett gegangen sind und zumindest ich voller Vorfreude auf den nächsten Tag kaum ein Auge zu gemacht habe.

Der Sonntagmorgen: 0545 Uhr. Auch wenn die Sonne erst um 0630 Uhr aufgehen sollte, sagte mir etwas, dass wir spät dran waren. Ohne viel Zeit zu verlieren, machten wir uns auf den Weg zum Flugplatz. Die Sonne war bereits aufgegangen, als wir uns mit unserem Anhänger hinter einen kleinen Tankschuppen kauerten, um dem eisigen Ostwind zumindest ein wenig zu entgehen. Das Aufrüsten zu zweit war am Morgen noch kein Problem.

Das LX loggte als Startzeit 0652 UTC und warm eingepackt stieg ich durch die turbulente Schicht Richtung Osterode, wo mir eine erste Wolke bereits das erste Steigen anzeigte. Und tatsächlich, ab ca. 1.300 Metern begann die laminare Strömung und ich stieg bis auf 2.700 Meter, um anschließend entlang einer Rotorlinie weiter Richtung Brocken vorzufliegen. Die anschließenden Bilder sagen aber sowieso mehr als tausend Worte, das einzige, was noch anzumerken wäre: Es war kalt. Aber es war geil!

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Nachdem ich die Sekundärwelle über Clausthal-Zellerfeld kurz angetestet hatte und im besten Steigen über Seesen noch mal Höhe gemacht habe, entschloss ich mich nach zwei Stunden zum Rückflug. Ich hatte die Befürchtung, und so war es auch vorhergesagt, dass es im Tagesverlauf abtrocknen würde. Die Welle würde noch länger stehen, aber es sollte keine Wolken mehr geben, die diese zweifelsfrei anzeigen würden. Damit Julian also einen möglichst genau so leichten Einstieg in die Systeme bekommen konnte, wie ich ihn hatte, bin ich um kurz vor 1000 Uhr wieder in Aue gelandet. Die Befürchtung des Abtrocknens war übrigens unbegründet. Jeder von uns hätte locker 4 Stunden fliegen können. Manche Dinge weiß man aber eben erst hinter her.

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Der Vollständigkeit halber sei noch auf die fast größte Herausforderung des Tages hingewiesen: Das Abrüsten. Der Wind hatte in keinster Weise über den Tag nachgelassen, sondern gegen Nachmittag sogar eher noch zugenommen. Böen geschätzt über 65 Km/h waren, als wir das Flugzeug um 15 Uhr abrüsten wollten, die Regel. Mit der Hilfe von einigen Segelfliegerkameraden aus Aue haben wir die 400 aber schließlich doch nach einem kleinen Kraftakt noch sicher im Anhänger verstaut und haben uns nach einem kurzen Nachmittagskaffee mit den Kollegen in der Werkstatt wieder auf den Rückweg nach Krefeld gemacht: Der Tatort am Sonntagabend ist schließlich Pflichtprogramm ;)

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 Fazit: Verrückte Tour, geile Flüge und viele neue Bekanntschaften gemacht. Werden wir auf jeden Fall wiederholen (und darf auch nachgemacht werden!) :)

 

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